Der suchende Blick

Ein als „urdeutsch“ geltendes charakteristisches Wesensmerkmal der Deutschen ist das Spekulativ-Faustische, also das Strebende, Forschende, das über die Tagesgeschäfte hinausgehende Nachsinnen darüber, was es mit der Welt und dem menschlichen Dasein auf sich hat. Für Thomas Mann (Deutschland und die Deutschen) ist diese Affinität zur Transzendenz, diese „Unweltlichkeit“ ein Teil der deutschen „Innerlichkeit“, die er […]

Louise Labé

Küss mich noch einmal, küss mich wieder, küsse mich ohne Ende. Diesen will ich schmecken, in dem will ich an deiner Glut erschrecken, und vier für einen will ich, Überflüsse will ich dir wiedergeben. Warte, zehn noch glühendere; bist du nun zufrieden? O dass wir also, kaum mehr unterschieden, glückströmend ineinander übergehn. In jedem wird […]

Marcelle Meyer

Obwohl die französische Pianistin Marcelle Meyer (1897–1958) zu den größten Pianisten des 20. Jahrhunderts zählt, ist sie noch immer ein Geheimtipp. Mit gerade einmal 20 Jahren war sie die bevorzugte Pianistin von Erik Satie und der Groupe des Six (kurz: Les Six), eines lockeren Zusammenschlusses von sechs französischen Komponisten (dem als einzige Frau auch Germaine […]

Friedrich Hölderlin

Auf Hölderlin wurde ich nicht etwa durch den Deutschunterricht aufmerksam, in dem er ja bekannter- und bedauerlicherweise seit langer Zeit kaum noch eine Rolle spielt, sondern im fernen Portugal, wo ich während eines Auslandsjahres im Rahmen meines Studiums die Bekanntschaft eines Hochschullehrers machte, der einzig und allein deshalb Deutsch lernte, weil er Hölderlin unbedingt im […]