Astor Piazzolla: Oblivion

Der große argentinische Dichter Jorge Luis Borges (1899-1986), der in etwa zur selben Zeit in Buenos Aires geboren wurde, als dort der Tango entstand, beklagte einmal, dass der ursprüngliche Tango, der Tango seiner Kindheitsjahre, einen fröhlichen Charakter besessen habe und erst später durch die Tango-Legende Carlos Gardel melancholisch und traurig gemacht worden sei. Das mag zutreffend sein, doch wer möchte schon die wunderbare Sehnsucht und Tristesse entbehren, die in Piazzollas Oblivion erklingt? Der Tango entstand in den Kneipen und Bordellen der La-Plata-Stadt zur Zeit der großen Einwanderungswellen aus Europa: Ein Neuankömmling entflammt für eine Frau, die ihn seine alte Heimat vergessen lässt, doch dann wird er von ihr verlassen und die Sehnsucht nach ihr beschwört in ihm auch wieder die zärtlichen Bilder der Heimat herauf – diese Geschichte, die sich zu jener Zeit tausendfach zutrug, steckt für mich in Piazzollas Oblivion:

Hier nun der Meister selbst:

Und schließlich noch eine Vokalversion mit Tanz: