Deep Purple: Child in Time

Über Child in Time von Deep Purple schreibt Michel Houellebecq in seinem soeben erschienenen Roman Serotonin:

„Das Einzige, woran ich mich genau erinnere, ist eine Aufnahme von „Child in Time“, ein Bootleg von einem Konzert in Duisburg im Jahr 1970, der Klang seiner Klipschorn-Lautsprecher war wirklich herausragend, in ästhetischer Hinsicht war das vielleicht der schönste Moment meines Lebens, darauf möchte ich hinweisen, sofern Schönheit irgendeinen Nutzen haben kann, jedenfalls müssen wir die Platte dreißig oder vierzig Mal abgespielt haben, immer wieder aufs Neue gebannt von der gelassenen Meisterschaft Jon Lords, der ganz und gar flugähnlichen Bewegung, mit der Ian Gillan vom Sprechen zum Singen und dann vom Singen zum Schreien überging, um schließlich wieder beim Sprechen anzukommen, unmittelbar darauf folgte der erhabene Break von Ian Paice, zwar unterstützte Jon Lord ihn mit seiner gewohnten Mischung aus Effizienz und Größe, aber der Break von Ian Paice war trotzdem prächtig, es war mit Sicherheit der beste Break in der Rock-Geschichte, dann kam Gillan wieder dazu, und der zweite Teil des Opfergangs wurde vollzogen, Ian Gillan schwang sich erneut von der Sprache zum Gesang und dann zum blanken Schrei auf, und leider endete das Stück kurz darauf, und es blieb nichts weiter zu tun, als die Nadel wieder zurück an den Anfang zu setzen, und so hätten wir ewig leben können, ewig, ich weiß nicht, das war sicherlich eine Illusion, aber eine schöne Illusion …“ (Michel Houellebecq, Serotonin, Köln, Dumont, 2019, S. 218 f.).