Iwan Aiwasowski: Maler des Meeres

Wenn der Franzose Claude Lorrain der unübertroffene Maler des Himmels ist, dann ist der Russe Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski (1817-1900) der unübertroffene Maler des Meeres. Doch da es sich bei letzterem um einen russischen Maler handelt, ist er selbstredend trotzdem in der westlichen Welt weitgehend unbekannt, denn die ungeheure Ignoranz des Westens gegenüber der russischen Kultur, die Stefan Zweig anlässlich seiner Russland-Reise in den 1920er Jahren konstatierte, ist ja nach wie vor gegeben – ja, vielleicht ist dieses Augen-und-Ohren-Schließen im Hinblick auf russisches Kulturgut jenseits von Dostojewski, Tolstoi, Tschaikowski und Rachmaninow heute sogar noch stärker ausgeprägt als vor hundert Jahren. Während seiner Lebenszeit hingegen feierte Aiwasowski in Europa große Erfolge (z. B. wurde er von der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in Amsterdam mit einer Goldmedaille ausgezeichnet), er war Mitglied von sechs ausländischen Akademien und auch die deutsche Fachpresse befasste sich mit seinem Schaffensweg.

Aiwasowski besaß eine besondere Gabe zur Naturbeobachtung, betonte jedoch, dass man das Meer nicht nach der Natur malen könne, da Wellen, Licht und Luft permanenten Veränderungen unterlägen, und so malte er es im Atelier aus der Erinnerung.

Iwan Aiwasowski: Der Regenbogen (1873), Öl auf Leinwand, Moskau, Tretjakow-Galerie

 

Iwan Aiwasowski: Die neunte Woge (1850), Öl auf Leinwand, Sankt Petersburg, Staatliches Russisches Museum

 

Iwan Aiwasowski: Die Woge (1889), Öl auf Leinwand, Sankt Petersburg, Staatliches Russisches Museum