Johann Sebastian Bach: Matthäuspassion

Johann Sebastian Bach hat mit der Matthäuspassion eines der größten und ergreifendsten Werke der Musikgeschichte erschaffen. Pablo Casals, Cello-Genie und herausragender Bach-Interpret, war, nachdem er die Matthäuspassion zum ersten Male gehört hatte, „so ergriffen, dass ich zwei Monate krank daniederlag. Ich hatte das Gefühl, ich müsse ersticken; ich konnte nicht genug weinen“. Die beiden überragenden Darbietungen der Matthäuspassion stammen aus meiner Sicht von Karl Richter, der zusammen mit dem Münchener Bach-Chor und dem Münchener Bach-Orchester die Isarstadt über drei Jahrzehnte (1951-1981) zu der Bach-Hochburg machte. Die erste Aufnahme ist die 1971 in den Bavaria-Studios als Fernsehproduktion aufgezeichnete Passion mit den Solisten Helen Donath, Julia Hamari, Peter Schreier (Evangelist), Ernst Gerold Schramm (Christus), Siegmund Nimsgern und Walter Berry. Diese Einspielung gibt es nicht auf CD, dafür aber auf YouTube (siehe unten) sowie auf DVD. Die zweite grandiose Richter-Interpretation stammt aus dem Jahre 1979 (mit den Solisten Edith Mathis, Janet Baker, Peter Schreier (Evangelist), Dietrich Fischer-Dieskau (Jesus) und Matti Salminen) und ist als CD (Archiv Produktion, 1980) erhältlich. Karl Richter wurde von einigen Kritikern vorgeworfen, dass er Bach zu „romantisierend-expressiv“ interpretiere, was natürlich Unfug ist. Bach ging es bekanntlich um musikalische Vollkommenheit, er wollte mit seiner Musik die göttliche Harmonie des Universums hörbar und somit erfahrbar machen – und daher liegt Richter mit seiner Interpretation goldrichtig, wohingegen akademisch-kühle Einspielungen sich auf dem Holzweg befinden (und deshalb nicht nur von Pablo Casals entschieden abgelehnt werden), denn Bach und seine Zeitgenossen sahen in Gott sowohl einen liebenden als auch einen strengen Himmelsvater, aber sicher keinen sterilen.