Lesefrüchte (4): François Mauriac, Paul Valéry

„Tant de clefs différentes tournent dans la serrure humaine.“ (François Mauriac)
(Übersetzung: „Der Mensch ist nicht aufzuschließen.“)

Aus den Cahiers von Paul Valéry:

„Die Wissenschaft vom menschlichen Wesen gäbe es nicht, wenn man es in seiner ganzen Komplexität ernst nähme. Doch der Mensch selbst sieht sich nur in und durch Vereinfachungen.“

„Das größte Vergnügen ist das Nahen des Vergnügens.“

„Es sind keineswegs die „Bösen“, die das größte Unheil in dieser Welt anrichten. Es sind die Unbeholfenen und die Leichtgläubigen. Die Bösen wären machtlos ohne viele Gute.“

„Politik ist die Kunst, die Leute daran zu hindern, sich um das zu kümmern, was sie angeht.“

(Vielleicht ist aber die folgende Definition, die in einem Winzerort an der Mosel (In vinum veritas!) an einem Hoftor zu lesen ist, sogar noch treffender: „Politik ist die Kunst, die Menschen so zu bescheißen, dass sie das Gefühl haben, sie hätten sich das schon immer gewünscht.“)

„Wie sehr wird doch alles, was sich durch Worte ausdrücken lässt, vergröbert – selbst von den stärksten Geistern!“

„Schaffung „künstlicher“ Bedürfnisse. Der Mensch ist ein Tier, das sich nicht lediglich an Umstände anpasst, sondern Umstände schafft, um das Vergnügen zu haben, sich an sie anzupassen – Er träumt im Wachen, und er träumt beim Handeln. Er kann gar nicht längere Zeit befriedigt sein. Das Natürliche ist seine Natur nicht. Wenigstens der westliche Mensch ist so. Dies rührt von einer Besonderheit seines Systems her – in welchem jede Antwort sich leicht in eine neue Frage verwandelt.“

„Die Würde des Menschen liegt ganz und gar in jenen Augenblicken begründet, in denen er für die Gegenstände der Reflexion ohne praktischen Nutzen und sogar ohne Reiz und ohne Zukunft ebensoviel Aufmerksamkeit und Hingabe aufbringt, wie er seiner Existenz zukommen lässt.“