Moskauer Nächte

Im Jahre 1958 fand in Moskau der erste Internationale Tschaikowski-Wettbewerb statt, eine Veranstaltung, mit der die sowjetische Führung in der Zeit des Kalten Krieges die kulturelle Überlegenheit der Sowjetunion demonstrieren wollte, nachdem die Sowjets bereits ein Jahr zuvor im Bereich der Technik mit ihrem Sputnik 1, dem ersten künstlichen Erdsatelliten, dem Westen davongeeilt waren (Sputnikschock). Der Tschaikowski-Wettbewerb wurde jedoch nicht von einem Russen, sondern von dem US-amerikanischen Pianisten Van Cliburn gewonnen, der mit seiner Interpretation von Tschaikowskis erstem Klavierkonzert und Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 3 das Moskauer Publikum zu einer achtminütigen stehenden Ovation hinriss. Als die Juroren, zu denen keine Geringeren als Dmitri Schostakowitsch, Emil Gilels und Swjatoslaw Richter gehörten, Nikita Chruschtschow fragten, ob es denn gestattet sei, einem Amerikaner der ersten Preis zu verleihen, erwiderte der Sowjetführer: „Ist er der beste? Dann gebt ihm den Preis!“ Nach einer auf Russisch vorbereiteten kurzen Dankesrede spielte der Texaner Van Cliburn das Lied „Подмосковные вечера“ („Moskauer Nächte“, wörtlich übersetzt: „Abende im Umland von Moskau“), das 1955 im Auftrag des sowjetischen Kulturministeriums komponiert worden war und aufgrund seiner charakteristischen russischen Melodie von vielen für ein russisches Volkslied gehalten wird.

Hier die Instrumentalversion von Van Cliburn und im Anschluss die aus meiner Sicht schönste gesangliche Interpretation dieses Liedes, vorgetragen auf dem Roten Platz im Jahre 2013 von dem leider schon verstorbenen russischen Bariton Dmitri Hvorostovsky und der russischen Sopranistin Anna Netrebko: