Noël-Nicolas Coypel: Der Raub der Europa

Die das Rokoko kennzeichnende Lebensfreude, die Genusshingabe und die tänzerisch-spielerische Leichtigkeit repräsentieren nach Meinung des österreichischen Kulturphilosophen Egon Friedell eine „Tuberkulosensinnlichkeit und letzte Sehnsucht, sich über den Tod hinwegzulügen“, oder anders ausgedrückt: Das Rokoko sei „die Agonie und Euphorie der Barocke“, dessen Wesen sich auf die Formel „liebend und sterbend“ bringen lasse. Die leichtfüßige, anmutige Malerei des Rokoko lässt zwar mitunter auch eine zarte Melancholie erkennen (wie etwa in Watteaus Einschiffung nach Kythera), belastet sich jedoch nie mit Gedankenschwere, sondern setzt stattdessen auf heitere Unbeschwertheit und Esprit, denn schließlich will das Rokoko (nicht nur in der Malerei) vor allem eines: gefallen. Eines der Gemälde aus dieser Stilepoche, die mir besonders gut gefallen, ist Der Raub der Europa (LʼEnlèvement dʼEurope) des wenig bekannten französischen Malers Noël-Nicolas Coypel:

Noël-Nicolas Coypel: Der Raub der Europa